Sicherlich haben viele von uns die Tage „zwischen den Jahren“ genutzt, um in Ruhe auf das vergangene Jahr 2011 zurückzuschauen und den Blick auf das beginnende Jahr 2012 zu richten. Je nach persönlicher Situation und individuellen Erlebnissen und Erfahrungen fallen dabei die Resümees und Erwartungen sehr unterschiedlich aus. Es ist kaum möglich, diese Vielfalt in einem Neujahrsgruß abzubilden.
In unser gemeinsames Bewusstsein hat sich im letzten Jahr vor allem die Atomkatastrophe in Japan tief eingegraben, die den Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie besiegelte. Als Verband für Trennungs- und Scheidungsbetroffene ist es sicherlich nicht unsere Aufgabe, diesen Ausstieg zu bewerten – jede und jeder mag darüber denken, wie sie oder er will. Festzuhalten bleibt jedoch, dass sich mit diesem Ausstieg Laien gegen Experten durchgesetzt haben: Es waren überwiegend Laien, die „Atomkraft – Nein Danke“ forderten, während viele Gutachter, Sachverständige und Wissenschaftler jahrzehntelang die Sicherheit der Atomenergie beteuert haben.
Bei aller Bestürzung und Trauer über diese Katastrophe sollte uns gerade diese politische Entwicklung Mut machen für die Zukunft: Auch wir können uns als betroffene Laien gegen die Professionen aus Trennung und Scheidung durchsetzen. Im Einzelfall vor Gericht ist das verdammt schwierig, aber auf der darüber liegenden Ebene müssen wir als Interessenverband den Dialog mit den Professionen suchen, um liebgewonnene Gewohnheiten in Frage zu stellen und zu verändern:
Wer nach einem beliebig definierbaren „Kindeswohl“ entscheidet, handelt letztendlich nach Einzelinteressen. Warum wird die Familie als Ganzes aufgegeben? Eltern wird die gemeinsame Sorge nicht erteilt oder entzogen, weil sie nicht kooperieren können. Warum kann die Kooperation nicht wieder hergestellt werden? Kinder leben schwerpunktmäßig bei einem Elternteil. Was spricht gegen ein Doppelresidenzmodell?
Wir müssen diese Themen noch stärker als bisher in die fachliche und auch die öffentliche Diskussion einbringen und bitten deshalb alle, uns nach Kräften zu unterstützen, damit wir im Jahr 2012 unserem gemeinsamen Ideal ein großes Stück näher kommen:
Allen Kindern beide Eltern!
Rainer Sonnenberger
Bundesvorsitzender
sonnenberger@vafk.de